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Taxi München eG hat neuen Aufsichtsrat und alten Vorstand - 19.04.2007

Am 19.April 2007 fand die mit Spannung erwartete (zweite) außerordentliche Generalversammlung der Taxi München eG statt. Zur Abstimmung stand die Bestätigung der vorläufigen Amtsenthebung des langjährigen Vorstandes Hans Meißner, bzw. die Wiedereinsetzung in Amt und Würden. Dazu waren die Mitglieder aufgerufen über die Abberufung des gesamten Aufsichtsrates zu entscheiden. Der Einladung in den großen Saal des Löwenbräukellers waren fast 700 Münchener Taxiunternehmerinnen und Taxiunternehmer gefolgt. In der, nur stellenweise turbulenten Versammlung, souverän geleitet vom früheren Aufsichtsratsmitglied Robert Weber sind schließlich alle Entscheidungen so getroffen worden, wie von der vorbereiteten Regie der „Meißner-Befürworter“ vorgesehen. Hans Meißner wurde in seinem Amt bestätigt, der Aufsichtsrat ab- und vollständig neu gewählt.
In der Diskussion um die Amtsenthebung meldeten sich fast alle Aufsichtsratsmitglieder und gut ein Dutzend Mitglieder der Taxi München eG pro und contra zu Wort. Hans Meißner rechtfertigte sein Verhalten im Zusammenhang mit dem gegen ihn ergangenen Strafbefehl und versuchte aufzuzeigen, dass nur mit ihm an der Spitze die Taxi München eG erfolgreich weiter bestehen könne. Bereits am Beifall während der verschiedenen Debattenbeiträge war abzusehen, dass das Lager der „Meißnerfreunde“ deutlich stärker war, als das der Gegner. Die Abstimmung endete denn auch mit einer, doch sehr deutlichen Zustimmung von fast 74 Prozent der abgegebenen Stimmen für Hans Meißner.

Nachdem ein geschlossener Rücktritt des gesamten Aufsichtsrates nicht erfolgte, wurde, von den einen mit Bangen, den anderen mit Hoffen der Abstimmung um die Abwahl des Aufsichtsrates entgegengesehen. Nach einigen Redebeiträgen für und wider die Abwahl war das Abstimmungsergebnis mit 79,25 Prozent der Stimmen doch sicher über der Grenze der hierfür erforderlichen Dreiviertelmehrheit. In den nun folgenden neun Wahlgängen zur Bestimmung des neuen Aufsichtsrates wurden alle Kandidaten, die vom Vorstand unterstützt wurden gewählt. Dies erfolgte dank der Vorbereitung des Vorstandes nach Herausgabe einer Extranummer des Taxikurier, wie dort vorgeschlagen durch gezielte Wahl einzelner der Vorstandskandidaten „abgesprochen“ in den verschiedenen Wahlgängen. Eine derartige Poolierung von Stimmen war in früheren Versammlungen erfolgreich von und für Kandidaten der „Opposition“ angewandt worden (und damals jeweils vom Vorstand kritisiert worden). Gewählt wurden schließlich (in der Reihenfolge der Wahlgänge): Reinhard Zielinski, Christa Reindl, Michael Nowak (je für 3 Jahre), Max Herzinger, Rudolf Rötzer, Paul Rusch (je für 2 Jahre), Werner Hillermann, Alfons Haller und Sandor Borell (die letzten 3 mit einer Wahlperiode bis zur nächsten ordentlichen Generalversammlung im Sommer). In der anschließenden konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrates wurde Reinhard Zielinski zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates und Christa Reindl zu seiner Stellvertreterin gewählt.

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Anmerkung:

Zu hoffen bleibt nun, dass sich die Taxi München eG „wieder beruhigt“ und ordentlich und erfolgreich weiterarbeiten kann, dass die Bestätigung von Hans Meißner in der Öffentlichkeit nicht weiter negativ sich auswirkt und, vor allem, dass die, sich in letzter Zeit doch recht unversöhnlich gegenüberstehenden Lager wieder zu gemeinsamen Zielen zum Wohle der Genossenschaft zueinander finden. Zu hoffen bleibt auch, dass nun nicht vom "siegreichen" Vorstand z.B. via nächstem Taxikurier "verbal" auf die unterlegenen Meißnergegner "eingeprügelt" wird, sondern souverän mit der neuen Situation umgegangen wird.

Es wird wohl von manchen der Vorwurf erhoben werden, dass das „System-Meißner“ nun fortgesetzt werde, doch hat hier eben in Generalversammlung als Souverän der Genossenschaft so entschieden, damit müssen nun alle Mitglieder leben. Eines der Hauptprobleme der Befürworter einer Amtsenthebung Meißners war eben auch die fehlende personelle Alternative und Perspektive zur Zukunft der Taxi München eG und ihrer Führung. Allein, dass mehrere Redner der „Oppositionsgruppe“ im Aufsichtsrat herauszustellen versuchten, dass es ihnen um das Wohl der eG gehe und nicht um persönliche Interessen (was einem Teil dieser Genossen, wie z.B. Robert Fischer gerne zugestanden sei, bei anderen waren persönliche Interessen doch sehr durchscheinend) reichte der Generalversammlung halt nicht, mit Meißner zu brechen. Aufzuarbeitende Baustellen in der eG gibt es genügend, ob das nun der Außenauftritt auf einer dringendst zu erneuernden Internetpräsentation ist (die auch Kommunikation mit den Mitgliedern und Dienstleistungen für die Mitglieder enthalten sollte), die Akquise von Aufträgen, die Umstellung auf Datenfunk, und und und ... .
Das von Teilen des Aufsichtsrates vorgeschlagene Geschäftsführermodell hat auf den ersten Blick wohl Charme, wäre aber kaum ohne hohe zusätzliche Kosten für die eG zu verwirklichen. Ob dazu jemals „die“ passende Person für diesen Job gefunden würde (die auch Akzeptanz bei den Mitgliedern finden müsste) ist eine weitere Frage, die ungelöst blieb. Gründe für eine Ablösung von Hans Meißner gab und gibt es sicherlich (der eine mag mehr, der andere weniger finden – sowohl aus sachlichen oder persönlichen Gründen). Zu erinnern ist nur daran, dass es vor vier Jahren nur weniger Stimmen bedurft hätte, einen Wechsel herbeizuführen (zu Zeiten als die „Geisterfahreraffäre“ noch kein Thema war). Auch damals scheiterte der Wechsel letztlich auch an der, den Mitgliedern unbekannten, bzw. nicht offen angebotenen personellen Alternative. Da hilft es nichts, nur darauf zu verweisen, dass Hans Meißner es in den letzten Jahren versäumt habe, selbst einen Nachfolger aufzubauen. Auch dies ist aus verschiedenen Gründen, die sicherlich auch, aber eben nicht nur, in der Person Meißner begründet sind gescheitert. Hans Meißner wird, auch dies war die Stimmung im Saal des Löwenbräukellers, sich nun ernsthaft bemühen müssen, diesen, letztlich aus Altersgründen erforderlichen Wechsel kollegial zu gestalten. Es scheint dies ein Problem vieler mittelständischer Betrieb zu sein, dass die Firmenpatriarchen es nicht schaffen, neben sich einen potenziellen Nachfolger aufzubauen. Ein Nachfolger ist eben kein geduldeter Klon des Vorgängers und kann dies nicht sein, sondern wird und muss vieles anders machen. Zu hoffen bleibt nur, dass eine Persönlichkeit gefunden wird, die die richtige Mischung aus Machtbewusstsein (das für einen solchen Job zweifellos erforderlich ist) und Verankerung in der Taxiszene und dazu die Fähigkeit hat, einen großen Betrieb (mit anderen, ebenso profilierten Vorständen) kollegial zu führen und dazu auch nach außen vermittelbar und präsentierbar ist. Diesel im Blut, Leidenschaft und Pragmatismus, gepaart mit der erforderlichen Geschäftsführerkompetenz sollte diese Person mitbringen. Ob es diese „eierlegende Wollmilchsau“ (positiv gesehen) gibt, wird sich zeigen. Ob Hans Meißner in der Lage ist diesen notwendigen Übergang zu schaffen (sofern er in der regulären Generalversammlung im Sommer diesen Jahres bestätigt wird) wird sich ebenso zeigen.
Zeigen muss sich auch, ob sich der neu gewählte Aufsichtsrat (obwohl auf Vorschlag des Vorstandes unter tatkräftiger Regie von Hans Meißner ins Amt gebracht) vom bereits erhobenen Vorwurf des „Marionettenrates“ befreien kann, bevor dieser sich verfestigt. Dies ist vor allem deshalb wichtig, als die Wahlen zum Aufsichtsrat doch einen etwas „trockenen Geschmack“ hatten, weil alle Vorschläge des Vorstandes mit gezielter Stimmenbündelung „durchgegangen“ sind. Die neuen (und teils alten) Aufsichtsräte haben hier eine hohe Verantwortung für die Genossenschaft der Münchener Taxiunternehmer übernommen, der sie hoffentlich gerecht werden können. Zeigen wird sich diese Verantwortung auch in der Fähigkeit kritische Positionen innerhalb der eG zu integrieren und die gegenüberstehenden Lager wieder zu versöhnen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die Stimmen gegen Meißner immerhin die Größenordnung erreicht haben, die der Zahl der Mitglieder entspricht, die in vergangenen Jahren gelegentlich überhaupt nur Generalversammlungen besucht hat. Es handelt sich also nicht lediglich um eine zu vernachlässigende Minderheit. Loyalität zur Genossenschaft ist von allen Mitgliedern zu fordern. Loyalität ist allerdings keine Einbahnstraße von unten nach oben, sondern eine viel befahrene Strecke mit Gegenverkehr. Auch kritische Positionen können zu konstruktiven Ergebnissen für die eG führen. In diesem Sinne sollte es mit der Taxi München eG wieder und weiter vorwärts und aufwärts gehen.

Michael Bauer
(Mitglied der Taxi München eG seit 1978)




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